Von kaatsu flossing über voodoo flossing bis hin zum Medical Flossing – Was steckt hinter dieser Technik?

30.01.2019 | Rebecca Förster | Flossing, Technik, Durchblutungsförderung, Physiotherapie, Aufklärung

Was ist eigentlich Flossing und woher kommt diese Technik?

Rein von der Wortherkunft kommt „flossen“ aus dem englischen und bedeutet „fädeln“. Man verwendet auch häufiger den Begriff „wrapping“, der übersetzt so viel, wie „umwickeln“  heißt und schon eher die eigentliche Technik beinhaltet.

Flossing ist seit über 50 Jahren als Oszillationstechnik bekannt. Es ist eine Technik, mit der durch Abschnüren/Abwickeln einer Extemität, mit einem Latexband, eine Mehrdurchblutung nach vorübergehender Minderdurchblutung des Gewebes erzielt wird. Erstmals ist der Effekt dieser Technik 1966 in Japan von  Dr. Yoshiako Sato entdeckt worden. Er praktiziert noch heute das Flossen mit einem Druckentlastungsgerät & speziellen Manschetten und seinem selbstentwickeltem Konzept des Katsuu Flossings. Über die Jahre ist diese Methode auch in den USA aufgetaucht und war v.a. im Bodybuildingbereich eine erfolgreiche Methode, um die Muskulatur effektiver trainieren zu können. Zu den Startzeiten, haben die Bodybuilder teilweise ihre Extremitäten mit Fahrradschläuchen oder ähnlichen Bändern abgebunden, da es das heutzutage bekannte Latexband noch nicht gab.

Flossingbänder

Fast zur gleichen Zeit ist das Flossing auch in Deutschland aufgetaucht. Ralf Blume & Andreas Ahlhorn haben 2014 in Deutschland das Flossing nochmal für sich weiterentwickelt und bei Profifußballern des Bundesligavereins Hannover 96 regelmäßig getestet und angewendet. Sie haben ihr Konzept des Medical Flossings entwickelt und führen heute deutschlandweit Fortbildungen für Physiotherapeuten durch.

Neben diesen Konzepten, gibt es noch viele weitere, die aber alle eine ähnliche Methodik und Technik mit dem Flossband vertreten.
Die Bänder sind meistens aus Latex, aber sie sind auch latexfrei erhältlich. Es gibt sie in verschiedenen Längen und Breiten, je nach Einsatzgebiet. Ein Flossingband kostet ca. zwischen 12-30€ und ist mit diesem Toppreis, ein unschlagbar kostengünstiges Therapiemittel, was aufgrund seiner Größe auch überall mit hin genommen werden kann und deshalb im Profisport mittlerweile auch gerne eingesetzt wird. Flossingbänder gibt es mittlerweile von ziemlich vielen Anbietern.

Wofür kann Flossing eingesetzt werden?

Flossing wird zum einen im Sport- und Trainingsbereich eingesetzt und zum anderen bei bestimmten Verletzungen, um die Wundheilung positiv zu beeinflussen. Vor allem bei Bewegungseinschränkungen von Extremitäten z.Bsp. dem Schulter- oder Kniegelenk ist Flossing sehr sinnvoll. Die Beweglichkeit wird vor und nach der Flossinganwendung getestet und eine Bewegungserweiterung erwartet.

Im Krafttraining wird Flossing überwiegend zum schnelleren Zuwachs der Muskelmasse angewendet. Das funktioniert so, dass  es zu einer künstlich hervorgerufenen Minderdurchblutung der Muskulatur kommt und der Muskel unter dem Flossingband schneller ermüdet – das bedeutet, dass der Muskel verhältnismäßig geringere Lasten im Training benötigt, um ein Muskelwachstum zu erzielen.

Ein zusätzlicher positiver Fakt von Flossing ist, dass es für den Therapeuten entlastendes Arbeiten ist und der Patient direkt aktiv mit Arbeiten kann, um seinen Heilungsprozess zu beschleunigen.

Welche Wirkungen hat Flossing?

Zwei Frauen flossen

Durch das Abbinden der Extremität entsteht als erstes ein Sauerstoffmangel. Dadurch werden die Schadensmelder unseres Körpers aktiv, da wir zu wenig An- und Abtransport von Sauerstoff in unserem Körper haben. Es folgen einige Reaktionen des Körpers auf den Sauerstoffmangel, wie eine Übersäuerung des Blutes, eine vermehrte Co2-Produktion, sowie eine Veränderung des pH-Wertes. Durch diese Reaktionen werden die Schmerzrezeptoren aktiv und melden dem Körper Schmerzen. Der Muskel, der mit dem Band abgeschnürt ist, ermüdet schneller und dadurch entsteht der Effekt einer Hypertrophie, d.h. Vergrößerung von Geweben und Organen, sowie Verbesserung der Maximalkraft. Nach maximal 4 Minuten wird das Band entfernt und es kommt zu einer starken Durchblutung des abgebundenen Gewebes. Durch den mechanischen Reiz des Bandes entsteht der Gate Control Mechanismus, der zu einer Schmerzlinderung führt. Zusätzlich entsteht ein positiver Einfluss auf die Verschieblichkeit der Muskel- und Faszienstrukturen. Der Patient verspürt ein Gefühl der Leichtigkeit und erweiterten Beweglichkeit, durch die Mehrdurchblutung.

Wer sollte lieber eine Flossinganwendung vermeiden?

Menschen mit empfindlichen Hauterkrankungen, wie Schuppenflechte, Neurodermitis oder Gürtelrose, sollten sich auf keinen Fall einer Flossinganwendung unterziehen. Natürlich sind offene Wunden, frische Narben, Knochenfrakturen und natürlich venöse Erkrankungen, wie eine Herzinsuffizienz oder eine Thrombose auch eine absolute Kontraindikation.

Mit einer Latexallergie, sollte man sich nur mit einem Latexfreien Flossingband flossen lassen, um keinen Hautausschlag zu entwickeln.

Die Therapeuten, die Flossig nutzen sind in den meisten Fällen fachlich durch spezielle Fortbildungen ausgebildet und sollten Ihre Patienten über Risiken und Nebenwirkungen aufklären.

Alle wichtigen Fakten zusammengefasst:

  1. Schnelle Mehrdurchblutung mit schnellerer Ermüdung des Muskels und anschließender Vergrößerung von Gewebe und Organen, sowie Verbesserung von Beweglichkeit in Gelenken.
  2. Positiver Einfluss auf Bewegungseinschränkungen und atrophierte Muskulatur in bestimmten Extremitäten.
  3. Leichtes Arbeiten für den Therapeuten & Einbinden der Aktivierung des Patienten oder Sportlers.
  4. Kostengünstige Technik für den Therapeuten und die Möglichkeit, diese Technik ortsunabhängig überall anwenden zu können.
  5. Anwendbar in der Therapie und im Trainingsbereich

Quellen:

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